DNA-Vaterschafts-Analytik bei der Katze
In letzter Zeit ist die DNA-Analytik in immer mehr Felder vorgedrungen, so auch in die Katzenwelt. Nicht nur beim Menschen können Verwandtschaftskonstellationen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bestimmt werden, sondern nunmehr auch bei der Katze. Es ist davon auszugehen, dass bei den Zweibeinern etwa 10 % aller Kinder untergeschoben sind. Wenn bereits im humanen Bereich mit so viel Unsicherheit zu rechnen ist, ist davon auszugehen, dass es in der Katzenzucht zumindest nicht besser aussieht. Was in die Stammbaumanträge geschrieben wird, ist ausschließlich von der Wahrheitsliebe des Züchters abhängig. Selbst bei den besten Vorsätzen wird nicht immer mit letzter Sicherheit festzustellen sein, welcher bei mehreren freilaufenden Katern tatsächlich der Vater ist oder ob bei einer Fremddeckung der eigene Kater nicht doch schneller war, wenn sich dies nicht eindeutig mittels Farbgenetik ermitteln lässt. Was vielleicht verwundert, ist, dass für die Katze molekulargenetische Vaterschaftsbestimmungen bereits etabliert sind. Untersucht werden 10 oder mehr Mikrosatellitensysteme. Viele Genetik-Firmen bieten derartige Untersuchungen an. Am günstigsten scheint mir jedoch die Abteilung Molekularbiologie des Tierärztlichen Instituts der Georg-August-Universität Göttingen zu sein. Wenn ein Züchter also doch einmal unsicher ist, wer nun der Vater ist, kann er zu dem einfachen und preisgünstigen Mittel der molekulargenetischen Vaterschaftsbestimmung greifen.
Viel wichtiger als die Vaterschaftsanalytik wäre jedoch die molekulargenetische Bestimmung von rezessiven Allelen. Jeder weiß, dass auch in etablierten Briten-Zuchten immer wieder einmal Highlander auftreten. Konsequentenweise müssten beide Elterntiere dann durch den Zusatz "var" als Langhaarträger gekennzeichnet werden. Es ist nachvollziehbar, dass der Züchter dies vermeiden will und die kleinen Highlander'chen einfach ohne Stammbaum zu einem geringeren Preis verkauft. Wer will schon über Jahre erfolgreiche Zuchttiere kastrieren. Wüsste man schon bei einem gerade geborenen Wurf, wer Langhaarträger ist, könnte man diese als Liebhabertiere verkaufen und sich die homozygot kurzen (LL) für die Zucht behalten.
Beim Lilac-Gen (b) ist das zwar nicht ganz so tragisch. Man hat aber bei seinen blauen doch lieber einen Lilac-Träger, damit es mit den Würfen nicht ganz so eintönig wird. Hier ist das Problem des Herausfindens nicht ganz so groß, da blaue Nachkommen, von deren Elterntieren eines lilac ist, immer lilac tragen. Bei einer Verpaarung eines Lilac-Trägers mit einem Lilac-Tier ist im Durchschnitt die Hälfte der Kitten lilac. Wenn eben nur blaue herauskommen, wird die Lilac-Träger-Eigenschaft ziemlich unwahrscheinlich, wenngleich man sich nie sicher sein kann. Es gibt ja auch 7er Würfe mit nur einem Geschlecht, obwohl auch hier statistisch Gleichverteilung vorliegt. Somit wäre auch ein Gentest für das b-Gen sinnvoll.
Ich habe nun die wissenschaftliche Literatur gewälzt, aber kein entsprechendes Paper gefunden. Eine der führenden Katzen-Genom-Forscherinnen, Dr. Leslie A. Lyons, von der Tiermedizinischen Fakultät der Universität von Kalifornien in Davies hat mir mitgeteilt, dass die Identifizierung des Chocolate-(Lilac-)Gens kurz bevorsteht. Ein praxistauglicher DNA-Test ist noch nicht vorhanden. Ich erhalte jedoch umgehend Nachricht, sobald er da ist. Zum Langhaar-Gen existieren derzeit noch keine ausreichenden molekulargenetischen Erkenntnisse. Was bereits bekannt ist, kann der Website des Katzen-Genom-Projekts von Dr. Lyons entnommen werden.
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